Sohbet

Die Liebe unseres Herrn

Der Herr - unser Herr, euer Herr, der Herr aller Geschöpfe - ist Einer. Er schuf diejenigen, mit denen ihr euch streitet, genauso wie euch, und Er pflanzte Seine Liebe in ihre Herzen wie in die euren. Sie mag zuweilen verdeckt sein, diese göttliche Liebe, dennoch fließt sie ohne Unterlaß durch euer Wesen, wie ein Fluß zum Meer fließt. Zuweilen mag sie als vergängliche, bloß menschliche Liebe erscheinen, und ein andermal mag es so aussehen, als sei sie ganz verschwunden. Aber laßt euch nicht täuschen. Der Fluß verschwindet nur unter einem Berg, um auf der anderen Seite wieder aufzutauchen. Unser Herr läßt durch jedes Herz einen Strom fließen, der unaufhaltsam den Meeren Seiner Liebe zufließt. Glaubt nur nicht, diejenigen, mit denen ihr euch streitet, seien von aller göttlichen Liebe verlassen. Sie ist mit ihnen, ob ihr es bemerkt oder nicht.

Die Liebe, die ihr anstreben sollt, ist nicht an körperliche Schönheit gebunden. Wir alle lieben die Natur, ihr Grün, ihre Bäche und Ströme, wir lieben die Jugend, lieben schöne Menschen. Und was ist mit all dem anderen, all dem, das nicht in dieses Schema paßt? Der Herr gab Seine Liebe allen Menschen, nicht bloß jungen und schönen. Der Eine, der Seine Liebe in unsere Herzen pflanzte, sagt. »Du, Mein Diener, wie Ich dir von Meiner göttlichen Liebe gab, so gab Ich allen. Schenke deine Liebe also allen.

In Wirklichkeit ist nicht nur dieses und jenes, sondern alles, das Seine Liebe enthält, grün und schön. Um dies zu sehen, um die Schönheit in aller Schöpfung wahrzunehmen, müßt ihr die Welt der Äußerlichkeiten lassen und in die Meere der Wahrheit eintauchen. Und ihr müßt die bloßen Formen hinter euch lassen, um zu den Bedeutungen zu gelangen. Formen sind begrenzt und setzen Grenzen, spirituelle Wirklichkeiten sind Meere, endlose Meere. Wer in diese Meere eintaucht, findet inneren Frieden und Genügen an allem, was ihm widerfährt.

Ich versuche, jeden zu lieben. Es fällt uns leicht, jemandem unsere Liebe zu bekennen, solange er uns nicht verletzt. Aber das ist in den Augen unseres Großscheichs nicht das Zeichen wirklicher Liebe. Wirkliche Liebe drückt sich aus in den Worten eines Sufi-Dichters aus Dagistan: »Solange ich die Liebe, die du angeblich für mich hegst, nicht auf die Probe gestellt habe, ist sie mir nichts wert. Antworte mir: Wenn ich dich durch einen Fleischwolf drehte und du kämst am anderen Ende als Hackfleisch heraus, wärst aber noch am Leben, und wenn ich dich dann in deine

ursprüngliche Gestalt zurückverwandelte, würdest du mich dann auch noch lieben?"

Wenn ich dir so weh tue, dich so sehr verletze, wie dich noch keiner verletzte, und du liebst mich noch immer, das ist wahre Liebe. Aber wenn du behauptest, mich zu lieben, und mich nach vierzig Jahren gemeinsamen Lebens wegen eines kränkenden Wortes, das unbedacht gesagt wurde, verläßt, wenn du so vierzig Jahre hinwegwischen kannst, dann ist das keine wirkliche Liebe.

Es gibt also Grade der Liebe, und diese bestimmen sich aus der Nähe zum eigentlichen Ziele aller Liebe, zur Liebe unseres Herrn. Wer dieses Ziel erreicht hat, nimmt jede Kränkung hin, ohne auch nur im geringsten in seiner Liebe beirrt zu sein. Denn er liebt nur um seines Herrn willen. Und diese Liebe wird sich nie ändern, was immer auch geschieht. In allem, was er tut, ist die Liebe seines Herrn anwesend, und er weiß, in allem, was ihm geschieht, ist sie auch. Nur die wenigsten Menschen erreichen diese Stufe. Wir versuchen es. Aber es ist sehr schwer.

Ihr müßt wissen, daß ihr euch jetzt in einer Prüfung befindet und, daß euch damit die Gelegenheit gegeben ist, spirituell voranzukommen. Ihr müßt Geduld üben mit Menschen, die sich vielleicht nicht nach euren Vorstellungen verhalten. Lernt vom Beispiel der Heiligen: Sie sind schlechten Menschen nicht ausgewichen, sind vielmehr freundlich mit ihnen gewesen, und das war zum Vorteil aller.

Alle Menschen, sie mögen schlecht sein oder gut, stehen unter dem Willen des Allmächtigen. Er ist ihrer aller Herr. Wenn wir Geduld üben, werden wir hinzugewinnen Das ist wie bei den Kirschbäumen, die erst bittere Frucht, dann aber langsam süße und wohlschmeckende Kirschen tragen.

Die heiligen Meister haben mir versprochen, daß ein jeder, der mit uns ist und uns mit ganzem Herzen zuhört, auf die Stufe gelangen wird, wo sich sein Herz der göttlichen Liebe öffnet. Und keiner braucht sich zu beunruhigen, daß dieses Versprechen nicht eingelöst würde. Denn uns verbindet das stärkste Band, das Band der göttlichen Liebe, der stärksten Liebe, die es zwischen dem Schöpfer und seinen Geschöpfen gibt. Dieses Band ist das höchste Ziel des Daseins, und wir beten, daß es immer stärker werde.

Unser Treffen hier ist ein Zeichen, daß eure Zeit gekommen ist. Bald werdet ihr die Fesseln sprengen können, die euch an euer Ich ketten. Bald werdet ihr frei sein, um euch euren spirituellen Zielen zu widmen. Und weil ihr das schon wißt, seid ihr so tief betroffen und seid den Tränen nah.

Wäre die Liebe, die mit mir ist, nur flüchtig, dann würdet ihr keinen Augenblick mit mir zusammensein wollen. Sie ist jedoch wirklich, immerwährend und göttlich, und ich habe einen Strahl davon in eure Herzen gesandt, um sie in euren Herzen zu erwecken.

Meine hier anwesenden Töchter und Söhne haben mich heute zum ersten Mal getroffen, aber dieses erste Zusammentreffen hat wirkliche Liebe in unsere Herzen gesät. Sie werden diese Liebe nie vergessen, und bald wird sie in ihren Herzen aufgehen.

Ich bitte meinen Herrn, Seine immerwährende Liebe in die Herzen aller Menschen tragen zu dürfen, und bin gewiß, daß diese Bitte in nicht allzuferner Zeit erfüllt wird.